Banff 

Nach einer kurzen Fahrt von Calgary nach Banff, eröffnet sich unverhofft und ziemlich übergangslos die weite Bergkulisse der Rocky Mountains. Ein ausgedehntes Faltengebirge durchzieht den Westen mit Nord-Süd-Orientierung. Das saftige Grün der Nadelbäume wächst steil den Bergen empor, bis zur hochalpinen Grenze, die Baumgrenze hier liegt deutlich höher als bei uns in der Schweiz. Banff liegt auf ca. 1500 m.ü.M. und erinnert uns ein bisschen an Interlaken. Sehr touristisch und Besucher aus aller Welt. Im Winter ein Skigebiet mit viel Pulverschnee und sehr kalten Temperaturen. Das Städtchen weist viele Hotels auf, welche architektonisch sehr passend zu den Rockies einen urchigen Baustil aus Stein und Holz ausweisen. Mit viel Glück finden wir hier noch ein Plätzchen auf einem Camp Ground im Wald. Auch hier gilt, keine Lebensmittel oder Abfälle liegen lassen. Ein nächtlicher Toilettengang versuchen wir zu vermeiden, viel zu wachsam müssten wir sein, und würden nachher unsere wachen Augen nicht mehr zukriegen. Wir frühstücken in Banff, um ein bisschen im free-www zu surfen und planen unsere Folgetage. Zurück bei unserem Fahrzeug finden wir ein kleines Liebesbriefchen unter dem Scheibenwischer vor. Einen Sticker von Uli und Anja – Happycamperin und Happylandcruiser-‚In‘. Am Parkplatz des Johnston Canyon treffen wir doch tatsächlich unser Ebenbild mit Uli und Tanja. Was für ein Zufall, 2 Fahrzeuge von Tom, unabgesprochen zur gleichen Zeit auf dem gleichen Parkplatz, auf einem anderen Kontinent. Wir wandern gemeinsam hoch zu den Ink Pots und tauschen so manche Anekdötchen und Erlebnisse aus. Uli macht mit schweizerischer Überredenskunst (und Unterstützung von Anja) noch ein paar freiwillige Zusatzkilometer, bei der proviantmässigen Unterbelegung seines Rucksackes helfen wir mit Schweizer Schoggi natürlich gerne nach.

Lake Louise-Jasper

Lake Louise gehört natürlich obligat aufs Programm, obwohl sehr touristisch. Wir planen, um 05.00 Uhr aufzustehen, verpennen aber (sorry, mein Slang hat sich bereits angepasst) bis 05.40 Uhr. Wir fahren ohne Frühstück los, um nach 67 km Fahrt noch rechtzeitig einen Parkplatz zu ergattern. Unsere RV-Grösse ist sehr flexibel, uns sprechen sowohl RV-Plätze als auch PW-Plätze an, halt je nach Angebot. Wir erreichen den Lake Louise bedauerlicherweise bei Regen. Trotzdem wandern wir an diesem Tag 14 km, teilweise traversieren wir auch etwas Schnee. Zurück am Lake Louise meint es Petrus doch noch gut, und etwas Sonnenschein hilft bei der Belichtung unserer Bilder mit. Zurück in Jasper lernen wir noch einen Texaner kennen, der sage und schreibe über 5000 km mit seinem Fahrrad zurückgelegt hat. Einfach Wahnsinn. Für uns fühlen sich 5000 km Fahrt mit Motorantrieb schon viel an und die Platzverhältnisse sehr eng, aber wir haben immerhin ein Dach über dem Kopf, genügend Strom, Kühlschrank, ein komfortables Kleidersortiment, ein bequemes Bett, Überlebensequipment, etc., und alles mit Dieselkraft angetrieben. Dazu schätze ich, er und sein Fahrrad haben etwa den gleichen Jahrgang.

Alaska-Highway 97

Die Schweizer Schoggi wirkte Wunder: Wir treffen Uli und Anja schon wieder in Jasper, und setzen von da an unsere abenteuerliche Reise auf dem Alaska-Hayway Richtung Dawson City gemeinsam fort. Dann werden wir entscheiden, in welche Richtungen uns die Hayways spalten. Zusammen ist man nicht alleine auf dem Highway 97, und das gemeinsame Fahren, Kochen, Essen (und Abwaschen) macht gleich doppelt Spass. Zufrieden geniessen wir die langen Abende am Lagerfeuer bei guter Classic-Rock-Musik ala DJ Uli. Zusammen mit der Sonne verabschieden wir uns um 23.15 Uhr, finden aber erst Schlaf, als fast alle 1598 Mücken in unserer Schlafstätte erledigt sind (eine bleibt aber – Godfriedstutz – immer übrig!). In Dawson Creek beginnt der Alaska-Highway bei Kilometer “0‘“. Bei der Starttafel finde ich fast keinen Platz mehr, unseren Schweizer Sticker zu verewigen, hat dann aber doch noch geklappt. In Fort Nelson, gleich unter der Brücke vom Alaska-Highway am Flussbett des Muskwa Rivers, haben wir wieder einen schönen Platz gefunden und kochen Chili sin Carne, damit weihen weihen Anjas und Ulis Feuerschale mit Dreibein und Gusseisenpfanne ein. Hat super geklappt und ganz ohne Brandmarker. Sofort kommen mir Rezepte wie Risotto oder Polenta für weitere Kochevents in den Sinn. Das Dreibein dekorieren wir später mit einer leeren Bierdose am Haken, ein ideales Schiessziel…., Ulis Steinschleuder und ein paar Kindheitserinnerungen bringen uns auf diese sportliche Idee. Wer trifft, ist vom Abwasch befreit. Uli gewinnt die Befreiungsaktion und beweist mit zwei weiteren Treffern, dass es kein Zufall war. Tja, kommt mir ein bisschen vor, wie bei “Spiel ohne Grenzen“, da haben die Schweizer doch auch immer versagt.

Yukon

Am 14.07.2022 überfahren wir die Grenze in die Provinz Yukon. Wir sehen viele Wildtiere, vor allem Bisons. Eine Mutterkuh suhlt sich gerade direkt am Alaska Highway in einer Sandgrube mit ihrem Frischgeborenen. Herrlich! Nach ein paar Safari-Shots fahren wir direkt am Sign Post Forest vor. Über 70‘000 Schilder aus aller Welt wurden in dieser Stätte bereits montiert. Auffallend viele aus der Schweiz, vielleicht sind wir auch schon ein bisschen homesick, so dass wir „Luzern, Bümpliz und Zug“ einfach schneller wahrnehmen. Auf alle Fälle muss ich mir im nahe gelegenen Homeware-Laden unbedingt noch ein Stück Holz besorgen, um uns zu verewigen. Die Acrylfarbpalette bekomme ich freundlicherweise im Visitercenter nebenan. Nach einer kurzen, kreativen Phase suchen wir nach einem freien Platz, ein Projekt der Unmöglichkeit. Jungfräulich prangen wir schlussendlich aber doch noch im Sign Post Forest von Lake Watson. Weiter geht’s am nächsten Tag Richtung Whitehorse. Leider haben wir seit längerer Zeit praktisch kein Netz, höchsten ausreichend für Whatsapp. Die Betreuung unserer Website hinkt daher auch arg hinterher. Zu viele Daten überfordern das träge Netz und bringen einen zum Wahnsinn. Starbucks wird je länger je mehr zum engen Verbündeten von mir – kleine Werbung am Rande für guten Kaffee und Speedy-WIFI.
Wir planen in den nächsten zwei Tagen Dawson City zu erreichen, mit dem Ziel, den Demster Highway nach Inuvik in den Northwest Territories oder aber Alaska, die Entscheidung fällen wir dann in Dawson City beim Goldwaschen.